Schiitentum
Die zweitgrößte Glaubensrichtung im Islam mit besonderer Bedeutung in Geschichte und Theologie
Schiitentum Das Schiitentum ist eine islamische Glaubensrichtung, die die Nachfolge des Propheten Muhammad ausschließlich über seine Familie, insbesondere Ali ibn Abi Talib und dessen Nachkommen, anerkennt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Schiitentum erkennt Ali ibn Abi Talib und dessen Nachkommen als rechtmäßige Führer der muslimischen Gemeinschaft an.
- Es ist die zweitgrößte islamische Glaubensrichtung nach dem Sunnitentum.
- Die Schiiten unterscheiden sich in mehreren theologischen und rituellen Aspekten vom Sunnitentum.
- Die wichtigsten schiitischen Gruppen sind die Zwölfer-Schiiten, Ismailiten und Zaiditen.
- Das Schiitentum hat bedeutenden Einfluss auf Politik und Gesellschaft vor allem im Nahen Osten.
- Die Verehrung der Imame und das Konzept der Imamat sind zentrale Elemente des Schiitentums.
Überblick: Schiitentum
Das Schiitentum entstand im frühen Islam als politische und religiöse Bewegung, die die Führung der muslimischen Gemeinschaft (Umma) nur den direkten Nachkommen des Propheten Muhammad zuschrieb. Diese Auffassung unterscheidet sich grundlegend von der sunnitischen Sichtweise, die die Nachfolge durch Wahl oder Konsens der Gemeinschaft betont. Das Schiitentum hat vielfältige theologische, juristische und spirituelle Ausprägungen entwickelt und prägt bis heute die religiöse Landschaft vieler Länder, insbesondere im Iran, Irak, Libanon und Bahrain.
Was ist das Schiitentum?
Das Schiitentum ist eine islamische Glaubensrichtung, die die Nachfolge des Propheten Muhammad ausschließlich über seine Familie, insbesondere Ali ibn Abi Talib und dessen Nachkommen, anerkennt. Es entstand aus einer politischen und religiösen Auseinandersetzung um die legitime Führung der muslimischen Gemeinschaft nach dem Tod Muhammads.
Historische Entstehung
Das Schiitentum entwickelte sich im 7. Jahrhundert nach Christus als Reaktion auf die Frage der Nachfolge des Propheten Muhammad. Die Schiiten vertraten die Ansicht, dass nur Ali, der Cousin und Schwiegersohn Muhammads, und seine Nachkommen das Recht auf Führung (Imamat) besitzen. Diese Position führte zu Konflikten mit den sunnitischen Muslimen, die eine andere Auffassung von Nachfolge hatten.
Zentrale Glaubenslehren
Im Zentrum des Schiitentums steht das Konzept des Imamat, das die geistliche und politische Führung durch die Imame beschreibt. Die Zwölfer-Schiiten glauben an zwölf solche Imame, die als unfehlbare Führer gelten. Die Verehrung der Imame und das Gedenken an ihr Leiden, insbesondere an die Tragödie von Karbala, sind wichtige Bestandteile der schiitischen Religion.
Hauptgruppen des Schiitentums
| Gruppe | Anzahl der Imame | Verbreitung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Zwölfer-Schiiten | 12 | Iran, Irak, Libanon | Glauben an zwölf unfehlbare Imame |
| Ismailiten | 7 oder mehr | Indien, Iran, Jemen | Anerkennung des siebten Imam Ismail als Nachfolger |
| Zaiditen | 5 | Jemen | Betonen politische Führung und weniger strenge Imamat-Lehre |
Religiöse Praktiken und Rituale
Das Schiitentum zeichnet sich durch spezifische religiöse Rituale aus, darunter das Gedenken an den Märtyrertod von Imam Husain bei Karbala am Tag der Aschura. Pilgerfahrten zu den Gräbern der Imame, das Rezitieren von Gebeten und das Tragen von Trauerkleidung sind wichtige Ausdrucksformen der Frömmigkeit.
Politische und gesellschaftliche Bedeutung
Das Schiitentum hat in vielen Ländern des Nahen Ostens eine bedeutende politische Rolle. Besonders im Iran ist es Staatsreligion und prägt die politische Ordnung. Auch im Irak und Libanon beeinflussen schiitische Gruppen die Politik maßgeblich. Die religiöse Identität ist oft eng mit gesellschaftlichen und politischen Fragen verbunden.
Unterschiede zum Sunnitentum
Während das Sunnitentum die Nachfolge des Propheten Muhammad durch die Gemeinschaft oder Wahl betont, sieht das Schiitentum die Führung ausschließlich in der Familie des Propheten. Theologisch unterscheiden sich beide Richtungen auch in der Rolle der religiösen Autoritäten, der Interpretation des Korans und der Praxis von Ritualen.
Moderne Herausforderungen und Entwicklungen
Das Schiitentum steht heute vor Herausforderungen wie politischen Konflikten, religiösem Extremismus und gesellschaftlichen Veränderungen. Gleichzeitig erlebt es eine Renaissance in der religiösen Praxis und politischen Einflussnahme, besonders in Ländern mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit oder bedeutenden Minderheiten.
Bedeutende Persönlichkeiten im Schiitentum
Zu den zentralen Figuren zählen Ali ibn Abi Talib, der erste Imam, sowie seine Nachkommen wie Hasan und Husain. Moderne religiöse Führer wie Ayatollah Khomeini haben das Schiitentum politisch geprägt. Auch Gelehrte und Mystiker haben zur theologischen Entwicklung beigetragen.
Zusatzinformationen
Bezeichnung: Schiitentum
Hauptvertreter: Ali ibn Abi Talib und seine Nachkommen
Gründung: 7. Jahrhundert n. Chr.
Hauptgruppen: Zwölfer-Schiiten, Ismailiten, Zaiditen
Verbreitung: Iran, Irak, Libanon, Bahrain, Aserbaidschan, Teile Syriens und Jemens
Heilige Stätten: Karbala, Nadschaf, Qom
Zentrale Glaubenslehre: Imamat (Führung durch die Imame)
Religiöse Praxis: Aschura, Pilgerfahrten zu Schreinen, Gebetsrituale
Synonyme und alternative Bezeichnungen
Häufige Fragen zu Schiitentum
Was ist der Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten?
Der Hauptunterschied liegt in der Auffassung der Nachfolge des Propheten Muhammad: Schiiten erkennen nur die Nachkommen Ali ibn Abi Talibs als rechtmäßige Führer an, während Sunniten die Nachfolge durch Wahl oder Konsens der Gemeinschaft sehen.
Welche Bedeutung hat der Imam im Schiitentum?
Im Schiitentum ist der Imam ein von Gott ernannter, unfehlbarer Führer der muslimischen Gemeinschaft, der sowohl spirituelle als auch politische Autorität besitzt.
Was ist die Aschura und warum ist sie wichtig?
Die Aschura ist ein Gedenktag, an dem Schiiten den Märtyrertod von Imam Husain, dem Enkel des Propheten Muhammad, bei der Schlacht von Karbala feiern. Sie symbolisiert Opferbereitschaft und Gerechtigkeit.
Wo lebt die größte schiitische Bevölkerung?
Die größte schiitische Bevölkerung lebt im Iran, gefolgt von bedeutenden Gemeinschaften im Irak, Libanon, Bahrain und Aserbaidschan.
Welche Hauptgruppen gibt es im Schiitentum?
Die wichtigsten Gruppen sind die Zwölfer-Schiiten, die Ismailiten und die Zaiditen, die sich in Anzahl der anerkannten Imame und theologischen Details unterscheiden.
Wie beeinflusst das Schiitentum die Politik?
In Ländern mit schiitischer Mehrheit oder bedeutenden Minderheiten spielt das Schiitentum eine wichtige Rolle in der politischen Gestaltung, etwa im Iran als Staatsreligion oder durch schiitische Parteien im Irak und Libanon.
Welche Rolle spielen die Imame in der schiitischen Theologie?
Imame gelten als spirituelle und politische Führer mit göttlicher Autorität, die die Gemeinschaft leiten und als Vermittler zwischen Gott und den Gläubigen fungieren.
Quellen & weiterführende Informationen
Quellenvorschläge und Nachweise zum Artikel. Bitte externe Inhalte eigenständig prüfen.
- 01Schiitentum – Geschichte und Glaubenslehren ↗
Umfassende Darstellung der schiitischen Geschichte und Theologie
https://www.bpb.de/izpb/21647/schiitentum - 02Der Islam: Sunniten und Schiiten ↗
Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Sunniten und Schiiten
https://www.dw.com/de/der-islam-sunniten-und-schiiten/a-17581435 - 03Schiitentum – Religion und Politik im Nahen Osten ↗
Analyse der politischen Rolle des Schiitentums im Nahen Osten
https://www.bpb.de/internationales/weltweit/naher-osten/252725/schiitentum